MCIR - MUNICH CENTER FOR INTERNET RESEARCH

Kategorie: Allgemein

12. Juli 2017 | Allgemein | Autor:

Die SZ berichtet über die Munich Bot Challenge

Letzte Woche hat das MCIR zur Munich Bot Challenge aufgerufen. Die teilnehmenden Teams haben darin die Aufgabe, selber Software zu entwickeln, die unter den Accounts von öffentlichen deutschen Einrichtungen die Social Bots unter den Followern dieser Accounts zu identifizieren. Mit Algorithmen gegen die Algorithmen also.  (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Die Stimmungskanonen

10 000 zentral gesteuerte Twitter-Accounts für 500 Dollar: Rechtzeitig zum Bundestagswahlkampf erforschen Universitäten, wie soziale Medien von Bots und Fake News manipuliert werden. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Das im Dezember 2015 gegründete Munich Center for Internet Research (MCIR), ein Forschungszentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, hat in der letzten Woche die „Munich Bot Challenge“ ausgerufen. Was ein wenig so klingt wie ein neuer Aufguss der sommerlichen Ice Bucket Challenge von vor drei Jahren, ist in Wahrheit ein Wettbewerb zur automatisierten Identifizierung von Robotern in sozialen Netzwerken. Und sie sind alles andere als sommerliche Putzigkeiten, sie sind digitale Demokratiegefährder. Darum ist der Hauptpreis in diesem Wettbewerb mit 10 000 Euro auch richtig hoch dotiert.

Drei Monate vor der Bundestagswahl, zum Auftakt des Wahlkampfes und in der Hochphase der politischen Willensbildung also, ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen: jene zwischen Akteur und Agent in diesem Wahlkampf. Das sind Begriffe aus der Soziologie, die stark vereinfacht beschreiben, wie künstliche Intelligenzen in sozialen Medien auftreten. Viele der vor der Brexit-Abstimmung und während des US-Wahlkampfs im Netz mit starken Argumenten auffallenden Kombattanten waren nämlich gar keine Menschen, sondern sogenannte Bots, die jedoch wie Menschen agieren. Je nachdem eben als von Menschen gelenkte Agenten oder inzwischen auch als autonom agierende Akteure, die Menschen sogar in Chats verwickeln können.

Bots sind Computerprogramme, die Stimmung in sozialen Netzwerken machen. Vor allem auf Twitter, dem Kommunikationskanal, der mit seinen 140-Zeichen-Meldungen besonders leicht zu bespielen ist. Angeblich sind zwischen neun und 15 Prozent aller Twitter-Accounts inzwischen Software-geführt. Man muss sich Bots als selbstlaufende Skripte in der Cloud vorstellen, die eigene Netze, die Botnets, aufbauen, um mit einer menschenunmöglichen Unermüdlichkeit konzertierte Debattenangriffe zu lancieren und Wolken aus Argumenten aufzubauen, indem sie massenhafte Zustimmung oder Ablehnung simulieren. Das betrifft inzwischen alle politik- und wirtschaftsrelevanten Bereiche. Bots nehmen aktiv Einfluss. Denn hier wird entweder breite Unterstützer-Realität oder auch ein striktes Ablehnungsklima vorgegaukelt.

Man weiß, dass ein Großteil der Twitter-Anhänger von Präsident Trump aus solchen digitalen Claqueuren besteht, aus einer Tweet-Armada, die etwa nach den Fernsehduellen von Trump und Hillary Clinton generalstabsmäßig den Hashtag #Trumpwon absetzte und so einen nationalen Trend erzeugte. Bots sind Werkzeuge der Propaganda, die bei den Debatten um den Brexit, bei Ereignissen wie der russischen Annexion der Krimhalbinsel, während des Ukrainekonflikts und in der massenhaften Verbreitung von „Macron Leaks“ in Frankreich aktiv in die Meinungsbildungsprozesse eingegriffen haben.

Die Software, mit der sich 10 000 Twitter-Accounts steuern lassen, kostet etwa 500 Dollar. Der einfachste Bot kommt mit nur 15 Zeilen Programmcode aus. Wer ein solches Programm besitzt, mit dem sich ein Bot steuern lässt, kann damit ebenso leicht auch eine ganze Armee von ihnen lenken.

Locken mit dem Papst: Fake News sind inzwischen auch ein lukratives Geschäftsmodell

Die University of Oxford unterhält darum seit einiger Zeit das Computational Propaganda Research Project, das unter anderem für Deutschland und die Bundestagswahl festhält, dass zwar alle im Bundestag vertretenen Parteien den Botnetzen abschwören und geloben, sie nicht einsetzen zu wollen, dass aber Angela Merkel nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt von sogenannten Hochfrequenz-Bots mit automatisiertem Hass attackiert wurde, dass fremdenfeindliche Bots die Debatte über Flüchtlinge auf populären politischen Facebook-Seiten zu manipulieren suchen, und dass Botnetze die AfD unterstützen.

Ganz offensichtlich, so das Ergebnis der Studie, sind „politische Bots über soziale Medien aktiv in den deutschen Diskurs eingetreten“. Und nicht nur das: Von Bots massenhaft abgesetzte Fake News weisen Links zu mit Werbung zugepflasterten Seiten auf, die ihren Betreibern satte Gewinne einfahren. Bots sind also auch ein lukratives Geschäftsmodell. Auch das weiß man seit dem US-Wahlkampf, in dem eine der gestreuten Lügen lautete, dass Donald Trump vom Papst unterstützt werde und dieser seinen Wahlsieg herbeibete.

Warum, abseits von ökonomischen Interessen, geschieht diese Manipulation in sozialen Medien überhaupt? Politiker, Unternehmer und auch die klassischen Medienhäuser achten inzwischen auf Trends in den Communities, und sie reagieren darauf. Das bedeutet, dass verfälschte Trends faktisch in die Entscheidungen der realen Politik und Wirtschaft einfließen. Denn Bots suggerieren ja immer eindeutige Stimmungslagen: Sie erzeugen durch die schiere Masse ihrer Verlautbarungen Dominanz und Dringlichkeit von Inhalten. Oder aber sie wollen gar keine Trends vortäuschen, sondern die tatsächlich vorhandenen Diskurse mit purem Nonsens überschwemmen und so Verwirrung stiften.

Egal wie: Man will Nutzer-Meinungen in Schieflage bringen. Bots sollen Trends wie Aktienkurse künstlich in eine jeweils gewünschte Richtung treiben. Selbst wenn sie von den Nutzern sozialer Medien durchschaut werden, können sie die Debatten beeinflussen: Diskussionen werden nicht mehr geführt, wenn Nutzer keinen Sinn mehr darin sehen, auf einer Plattform zu kommunizieren, auf der sich zum großen Teil nur noch Maschinen als Gesprächspartner befinden.

Dabei wird es immer schwerer, Bots von Menschen zu unterscheiden. Denn sie agieren inzwischen unter echt anmutenden Fake-Profilen und geben immer besser vor, aktive und interessierte Bürger zu sein. Sie wandeln sich also immer mehr vom beauftragten Agenten, der mechanisch Jobs abspult, hin zum selbsthandelnden Akteur. Ja, es gibt mittlerweile Botnetze, in denen Skripte untereinander sogar Kontroversen austragen, um nicht als Algorithmen enttarnt zu werden.

Darum ist die eingangs erwähnte Munich Bot Challenge, die noch bis zum 15. September läuft, ebenso begrüßenswert wie notwendig. Die teilnehmenden Teams haben darin die Aufgabe, selber Software zu entwickeln, die unter den Accounts von öffentlichen deutschen Einrichtungen die Social Bots unter den Followern dieser Accounts identifizieren soll. Mit Algorithmen gegen die Algorithmen also. Willkommen im Wahlkampf 2017!

6. März 2017 | Allgemein | Autor:

Öffentliche Ringvorlesung Digitalisierung

Der Lehrstuhl für Software Engineering von der TUM lädt zur Ringvorlesung Digitalisierung ein. Als erste Redner ist Rainer Janssen, IT Evangelist, ehemals CIO Müncher Rück am 25.4.17 zu Gast.  Er wird zum Thema „Digitalisierung als industrielle Herausforderung“ vortragen. Weitere Redner und mehr Informationen finden Sie unter: Veranstaltungen

 

22. Februar 2017 | Allgemein | Autor:

Herausforderung Cloud und Crowd

Erste Konferenz des Projekts „Herausforderung Cloud und Crowd“ am 21.03.17 in München

Wie verändern Cloud- und Crowd-Strategien die Wirtschaft und die Arbeitswelt? Was sind die zentralen Entwicklungslinien und vor welchen Herausforderungen stehen wir aktuell?

Interessiert an Forschungsergebnissen, Erfahrungsberichten und Gestaltungsansätzen? Dann laden wir Sie sehr herzlich zu unserer Konferenz ein: Herausforderung Cloud und Crowd – Plattformen, Wertschöpfungssysteme und Organisation von Arbeit nachhaltig gestalten am 21. März 2017 (09:00 Uhr – 17:00 Uhr) im Literaturhaus in München

Freuen Sie sich auf eine spannende Diskussion mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis und einen lebendigen Erfahrungsaustausch in sechs Werkstätten. In dem Blog zur Veranstaltung gibt erste Einblicke in die spannenden Themen, die wir auf der Konferenz genauer in den Blick nehmen werden.

Für Rückfragen melden Sie sich bitte bei: Daniel Gögelein (daniel.goegelein@isf-muenchen.de)

Für weitere Informationen (Agenda) und regelmäßige Updates zur Veranstaltung folgen Sie uns auf Twitter. Schalten Sie sich mit #Cloud_Crowd2017 in die Diskussion ein – mit Fragen, Kommentaren und Anregungen!

 

 

 

12. Januar 2017 | Allgemein | Autor:

Mitarbeiter gesucht

Du hast Lust auf eine spannende Aufgabe beim Munich Center for Internet Research?

Das MCIR hat im Dezember 2015 als neues Forschungszentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften seine Arbeit aufgenommen. Es wird den mit dem Internet und der Digitalisierung verbundenen gesellschaftlichen Wandel wissenschaftlich untersuchen und eine Orientierung für seine erfolgreiche Gestaltung liefern.

Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt kreative, flexible und engagierte Mitarbeiter auf Hiwi-Basis. (6-10 Std./Woche)

Stellenausschreibung_MCIR

31. Oktober 2016 | Allgemein | Autor:

„Zukunft der Arbeit“

Diese Woche dreht sich bei der ARD alles um das Thema „Zukunft der Arbeit“. Die Themenwoche hinterfragt zum Beispiel, ob unsere Jobs demnächst durch Roboter erledigt werden können, oder wie sich der Arbeitsalltag durch die Digitalisierung allgemein verändern wird.

Unter den Experten der Themenwoche befinden sich auch einige Mitglieder des MCIR.

Schaut einfach mal rein: http://www.ard.de/home/themenwoche/ARD_Themenwoche_2016_Zukunft_der_Arbeit/3234726/index.html

 

 

31. Oktober 2016 | Allgemein | Autor:

Vorbild Silicon Valley? Für einen europäischen Entwicklungsweg zwischen Disruption und Stabilität

Dr. Andreas Boes, Vorstandsmitglied des MCIR, hat Anfang Oktober einen Vortrag für die Daimler und Benz Stiftung in Berlin gehalten.

Den Soziologen Andreas Boes interessiert, was die deutsche Wirtschaft vom Silicon Valley lernen kann und worauf es ankommt bei einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Gestaltung der digitalen Arbeitswelt. Er plädiert für „einen eigenständigen europäischen Entwicklungsweg, der die notwendige Bereitschaft zu disruptiven Veränderungen mit einer konsequenten Orientierung auf soziale Stabilität zu verbinden hätte.“

Mehr Informationen finden Sie unter: https://goo.gl/Ogwn42

 

24. Oktober 2016 | Allgemein | Autor:

Bricks or Clicks: the Future of Education in the Digital Age

Werden Lehrer irgendwann durch Maschinen oder Universitäten durch das Internet ersetzt? Dieser Frage ging Professor Wendy Hall in ihrem Vortrag am 18. Oktober in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften nach. Das Munich Center for Internet Research (MCIR) führt damit seine Veranstaltungsreihe fort.

Für alle, die nicht vor Ort sein konnten, gibt es den Vortrag in voller Länge als Video: http://mcir.digital/events/vortrag-von-prof-wendy-hall/

 

20. Oktober 2016 | Allgemein | Autor:

4th Crowdinvesting Symposium

crowdinvesting

On Friday, 4 November 2016, the 4th Crowdinvesting Symposium „Financial Decision Making and the Internet“ takes place at the Max Planck Institute for Innovation and Competition, Munich. The symposium offers academics and practitioners a platform to exchange ideas about the latest developments in this field as well as for networking. Keynote speaker is Ethan Mollick, Wharton School. The panel Claas Ludwig (Federal Ministry of Finance), Ethan Mollick (Wharton School), Erik Podzuweit (Scalable Capital), and Andrea Rexer (Süddeutsche Zeitung), will discuss the recent developments.

 

Registration and more information: http://www.ip.mpg.de/en/the-institute/events/4th-crowdinvesting-symposium-financial-decision-making-and-the-internet.html

26. Juli 2016 | Allgemein | Autor:

Digitale Dienstleistung in modernen Wertschöpfungssystemen – Silicon Valley Spezial

Das Team »Informatisierung der Gesellschaft und Zukunft der Arbeit« im Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF) hat im Oktober 2015 Feldstudien bei namhaften deutschen Unternehmen und bei US-amerikanischen Vorreitern der digitalen Ökonomie im Silicon Valley durchgeführt. Die Wissenschaftler haben in einem Blog live über ihre ersten Eindrücke und Ergebnisse berichtet. Seine Blogbeiträge veröffentlicht das Team in dieser Broschüre in dafür leicht überarbeiteter Form. Die Reise fand statt im Rahmen des Forschungsvorhabens »Digitale Dienstleistung
in modernen Wertschöpfungssystemen« (digit-DL).

Dr. Andreas Boes vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung und Board Member des MCIR wirkte an diesem Projekt mit.

ISF-1606-Broschuere-SiliconValley-13web

7. Juni 2016 | Allgemein | Autor:

Machine Learning Demystified

Internal MCIR talk

Alei Salem, TUM : „Machine Learning Demystified“

Despite being utilized within a myriad of industries and domains, the artificial intelligence field of machine learning depicts a vague, mysterious blackbox for a variety of individuals. In this talk, we shall unravel the mystries associated with machine learning by discussing its meaning, objectives, and capabilities. By the end of this talk–and without delving into technical details–the audience should have a basic understanding of what machine learning is, what it is capable of, whether it can be beneficial within their respective fields of research, and how it can be applied to such fields.

Talk on June 30, 2016, 5pm

Bavarian Academy of Sciences, Sitzungssaal 2

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